Tagesseminar mit Dr. phil. Silke Wechsung
Mensch und Hund - Dreamteam oder purer Egoismus?
Zur Psychologie der Mensch-Hund-Beziehung
Sonntag,1. Februar2009
Von 10.00 bis 18.00 Uhr
Teilnahmegebühr: 80,- € incl. MwSt.
Nach Einschätzung von Verhaltensbiologen hat sich der vom Wolf abstammende Hund vor Jahrtausenden nur deshalb dem Menschen angeschlossen, weil beide Arten voneinander profitierten. Konnte die Domestizierung der Wölfe nur aufgrund dieser Symbiose der Beziehungspartner zustande kommen, gestalten sich die heutigen Beziehungen von Menschen und Hunden oftmals einseitig, egoistisch und ambivalent. Die Polarisierung reicht von extremer Vernachlässigung der Tiere, Ausbeutung und Brutalität auf der einen, bis zu grotesker Überfürsorge, Vermenschlichung und Glorifizierung auf der anderen Seite. Zwangsläufig stellt sich die Frage, inwiefern sich die Vorlieben der Hundebesitzer heute noch mit den Bedürfnissen der Tiere vereinbaren lassen.
Im Rahmen eines Forschungsprojekts am Psychologischen Institut der Universität Bonn hat Dr. Silke Wechsung das wechselseitige Beziehungsverhalten und die Qualität von Mensch-Hund-Beziehungen erstmalig unter Berücksichtigung beider Interaktionspartner, Mensch und Hund, analysiert. Auf der Basis von Befragungen und Verhaltensbeobachtungen von insgesamt 2800 Hundehaltern wurde die Psychologie der Mensch-Hund-Beziehung weiter entschlüsselt und ermittelt, welche Faktoren eine gute bzw. eine schlechte Beziehungsqualität bei Hundehaltern und ihren Hunden verursachen.
Einige Annahmen von Experten und Hundeinteressierten konnten durch die Untersuchungsergebnisse erstmalig wissenschaftlich bestätigt werden. Gleichzeitig wurden andere verbreitete Auffassungen eindeutig widerlegt.
Insgesamt zeigen die Ergebnisse, dass die Qualität von Mensch-Hund-Beziehungen nahezu ausschließlich durch die Einstellungen und die Verhaltensweisen „am anderen Ende der Leine“ geprägt werden.
Zielsetzung des Seminars
Im Seminar werden die Untersuchung und die Forschungsergebnisse ausführlich vorgestellt. Es wird diskutiert, unter welchen Bedingungen Menschen und Hunde in einer für beide Seiten zufrieden stellenden Beziehung harmonisch und konfliktfrei zusammenleben und gut zueinander passen. Der Forschungsstand zur Psychologie der Mensch-Hund-Beziehung wird detailliert dargestellt.
Gleichzeitig wird erläutert und gemeinsam trainiert, wie die Forschungserkenntnisse in der Praxis angewendet werden können: Von Hundetrainern, Tierärzten, Züchtern und Mitarbeitern im Tierschutz sowie nicht zuletzt von jedem einzelnen Hundehalter.
Seminarinhalte
Die Psychologie der Mensch-Hund-Beziehung: Eine Beziehung im zeitlichen Wandel
Zahlen & Fakten zur Hundehaltung in Deutschland: Vom Wirtschaftsfaktor und Konsumobjekt bis hin zum Kindersatz
Die Psychologie der Beziehung: Beziehungsfunktionen und Beziehungsqualität oder die Frage, was erfolgreiche, stabile Beziehungen ausmacht
Der wissenschaftliche Forschungsstand: Motive von Hundehaltern, Auswirkungen der Hundehaltung, artgerechte Hundehaltung und Beziehungsverhalten. Was konnte bis heute eindeutig nachgewiesen und bestätigt werden?
Mensch und Hund. Beziehungsqualität und Beziehungsverhalten: Ergebnisse einer repräsentativen Untersuchung von 2800 Hundehaltern in Deutschland
Die Typologie:
Wie sieht das Psychogramm des erfolgreichen Hundehalters aus?
Welche Hundehaltertypen lassen sich unterscheiden?
Was sind die Bedingungen für die Entwicklung einer guten Beziehungsqualität?
Anwendung der psychologischen Erkenntnisse bei Hundehaltern:
Diagnose des Hundehaltertyps, psychologische Befragung von Hundehaltern, gezielte Analyse und Verbesserung der individuellen Mensch-Hund-Beziehung
Methoden
Vortrag
Gruppendiskussion & Erfahrungsaustausch
Selbsttest
Fallbeispiele
psychologisches Coaching
Zielgruppe
Hundehalter, Hundetrainer, Tierärzte, Verhaltensbiologen, Hundezüchter, Mitarbeiter in Tierschutz und Tiervermittlung sowie weitere Interessenten am Thema „Psychologie der Mensch-Tier-Beziehung“

Zur Referentin
Dr. Silke Wechsung ist Diplom-Psychologin, Unternehmensberaterin und Hundebesitzerin. Als Forschungsleiterin des Projekts „Mensch und Hund“ am Psychologischen Institut der Universität Bonn ist sie Expertin der wissenschaftlichen Untersuchung der Mensch-Hund-Beziehung. Ihre beruflichen Kenntnisse im Rahmen der psychologischen Eignungsdiagnostik, ihre Expertise als Trainerin und psychologischer Coach sowie tiefgehende, persönliche Erfahrungen als langjährige Hundehalterin lassen sich in diesem Seminar erfolgreich kombinieren.